Andachten

Monatsspruch Februar 2020

Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte. (1. Korinther 7,23)

Liebe Leserin, lieber Leser,

Freiheit ist eins der großen Themen im Neuen Testament:

Johannes 8,32 "Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch freimachen."
Galater 5,1 "Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!" und so auch der Monatsspruch, nur ohne das Stichwort Freiheit.

Die ersten Christen dachten dabei an das Gegenbild der Sklaven: Kriegsgefangene und ihre Nachkommen, die man als Arbeitskräfte kaufen und verkaufen konnte. Manchmal hatten sie Gelegenheit zu sparen und sich freizukaufen. Manchmal hatten sie auch wohlhabende Verwandte oder Gönner, die sie "erkauften", so wie man heute Lösegeld an Verbrecher bezahlen muss, die Geiseln genommen haben. In den meisten Bibeln steht aber nicht "Sklave", sondern "Knecht, Magd". Heute würde man sagen "Arbeitnehmer".

Man hat Paulus und den ersten Christen vorgeworfen, dass sie sich nicht für die Abschaffung der Sklaverei eingesetzt hatten. Als ob das so einfach gewesen wäre! Wie schwer ist es noch heute, trotz eindeutiger Gesetze Menschenhandel und Ausbeutung zu unterbinden und jedem so viel Lohn zu zahlen, dass er davon gut leben kann. Die Sklaven bekamen zwar keinen Lohn, aber doch sonst alles, was sie brauchten. In einem reichen Haushalt ging es ihnen sicher besser als heutigen Geringverdienern, die die notwendigsten Arbeiten machen.

Paulus beschäftigt sich in 1. Korinther 7 ausdrücklich mit der äußeren Freiheit. Ist jemand frei, der kein Sklave ist und auch nicht an das "Joch der Thora" und das der Ehe gebunden? Paulus selbst war ja unverheiratet aus Überzeugung. Aber ihm ging es nicht um die äußere, sondern um die innere Freiheit. Er zitiert in 1. Korinther 6,12 den heute noch modernen Slogan: "Ich darf alles." Ich lasse mir von niemand Vorschriften machen. Und ergänzt: "Aber nicht alles ist nützlich. Ich darf alles - aber es soll mich nichts gefangen nehmen."

Es gab damals in der Christenheit heiße Diskussionen: Darf ein Christ Schweinefleisch essen? Oder Fleisch von heidnischen Opfern, das auf dem Markt verkauft wurde? Antwort: Für Christen gibt's keine Speisevorschriften. Wohl aber das Gebot der Rücksichtnahme. Ihr müsst niemand mit eurer Freiheit provozieren oder vor den Kopf stoßen, der das anders sieht. Und heute? Heute würde man am besten gar nichts essen, wollte man alle Ratschläge für "gesundes" und "ethisch verantwortliches" Essen befolgen. Paulus würde sagen: "Ich darf alles, ich darf fasten und futtern, je nach Lust und Laune. Aber allzu viel ist ungesund, man kann sich tothungern und totfressen. Und beides kann zu einer Sucht werden und mich gefangen nehmen. Zur inneren Freiheit gehört auch, dass ich mich nicht von der Meinung der anderen abhängig mache, nicht von Meinungsmachern, nicht von Influenzerinnen, nicht von Likes. Ich gehe meinen eigenen Weg. Und bin niemand verantwortlich außer Gott. "Gott gehorchen macht frei." Daher "werdet nicht der Menschen Knechte."

Risiken und Nebenwirkungen: Zuviel Freiheit kann einsam machen. Auch Freiheitsstreben kann zur Sucht werden und mich gefangen nehmen. Und es geht ja nicht nur um mich. Meine Freiheit hat da ein Ende, wo die der anderen anfängt.

Bei dem, was Jesus sagt, "die Wahrheit wird euch freimachen", geht es um etwas anderes, was eigentlich ganz selbstverständlich ist: Kinder sind abhängig von den Erwachsenen und müssen viel lernen, bevor sie selbständig handeln können. Bevor jemand Auto fahren darf, muss er die Fahrschule besuchen und seinen Führerschein machen. Dann kennt er die "Wahrheit": wie er sich im Verkehrt zu verhalten hat. Erst dann kann man ihn "auf die Menschheit loslassen". Im Handwerk werden Auszubildende nach Abschluss ihrer Lehre "freigesprochen", sie können selbständig arbeiten, ohne dass ihnen der Meister dauernd auf die Finger gucken muss. Auch Jesus wurde Meister genannt und hatte Azubis, nämlich die die Jünger, die bei ihm Religionsunterricht hatten. Sie durften unter seiner Aufsicht predigen und missionieren. Später gingen sie selbständig auf Missionsreisen, nachdem sie die "Wahrheit" erkannt und verstanden hatten, dass der Wille Gottes zusammengefasst ist im Gebot "Liebe Gott über alles und sei lieb zu deinem Mitmenschen, denn er ist wie du."

Mit freundlichen Grüßen

Heinrich Tischner

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