Andachten

Monatsspruch April 2020

Es könnte aber jemand fragen: Wie werden die Toten auferstehen und mit was für einem Leib werden sie kommen? Du Narr: Was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. Und was du säst, ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, sei es von Weizen oder etwas anderem. … So auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft. Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib. (1. Korinther 15,35-44)

Liebe Leserin, lieber Leser,

die meisten Menschen haben immer geglaubt, dass mit dem Tod nicht alles aus ist, sondern dass es ein Weiterleben nach dem Tod gibt, auch wann sie unterschiedliche Vorstellungen darüber entwickelt haben: Lebt die Seele des Menschen wie die Pharaonen im Grab weiter oder in einem besonderen Totenreich? Treffen wir uns dort oder im Himmel wieder? Komme ich nochmal auf die Welt, vielleicht auch als Hund oder Schneeglöckchen? Erweckt mich Gott am Jüngsten Tag aus einem langen Todesschlaf zu neuem Leben?

Andere fragen skeptisch: Woher weiß man denn das alles so genau? Es ist ja noch keiner zurückgekommen, der uns berichten kann, wie es nach dem Tod ist. Lässt sich etwas, was lebende Menschen noch nicht erfahren haben, überhaupt in Worte fassen? Es kann sich bei all diesen Aussagen doch nur um Bilder handeln für etwas, von dem wir nur unzulängliche Vorstellungen haben. Die Bilder sind unzulänglich, aber sie müssen nicht falsch sein. Sie sind gedeckt durch Erlebnisse, die Menschen immer wieder an der Schwelle des Todes hatten und von denen sie im Sterben oder nach ihrer Rettung anderen erzählen konnten.

Wir brauchen nicht lange zu raten, welche Antwort uns Paulus gibt: "Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben."

Wo weiß Paulus das her? Er beruft sich am Anfang dieses Kapitels darauf: Ich glaube an die Auferstehung der Toten, weil Jesus von den Toten auferstanden ist. Insofern ist das Argument, es sei noch keiner zurückgekommen, falsch. Jesus ist zurückgekommen!

Aber er ist anders zurückgekommen als ein Verunglückter, der wiederbelebt werden konnte, oder als ein Schwerkranker, der aus dem Koma erwacht ist. Die Ostergeschichten zeigen uns: Der auferweckte Jesus konnte durch verschlossene Türen gehen und an mehreren Stellen gleichzeitig sein. Er konnte urplötzlich da sein und war nicht ohne weiteres zu erkennen. Und er konnte genauso plötzlich vor den Augen verschwinden, sich unsichtbar machen. All das sind Eigenschaften, die wir einem Geist zuschreiben. Und trotzdem wehren sich die Evangelisten gegen die Vorstellung, die Jünger hätten nur den Geist Jesu gesehen.

Was Paulus über den "Körper" der Auferstandenen schreibt, geht in eine ähnliche Richtung: Sie sind anders, als wir uns vorstellen können. Sie starben schwach und hilflos mit allen Zeichen der Vergänglichkeit und werden stark und herrlich und unvergänglich zu einem neuen Leben erweckt. Ihr Körper besteht aus einem anderen Material als unserer. Es ist ein "geistlicher Körper".

Auch dafür benutzt Paulus ein Bild: Ein Samenkorn sieht ja auch anders aus als die Pflanze, die daraus hervorgeht. Oder mit einem heute beliebten Bild: Man sollte nicht glauben, dass aus einer hässlichen Raupe einmal ein wunderschöner Schmetterling wird. Bei beiden findet kein nahtloser Übergang statt, sondern das Samenkorn muss sterben, es löst sich auf und bringt eine kleine Pflanze hervor. Der Raupe wachsen nicht einfach Flügel, sondern sie verpuppt sich und ist lange Zeit wie tot. In diesem Todesschlaf entsteht in einem geheimnisvollen Prozess aus dem Korn eine Pflanze, aus der Puppe ein Schmetterling.

Paulus schreibt das nicht aus Neugier oder wissenschaftlichem Interesse, sondern weil die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod für ihn und uns eine ganz wichtige Bedeutung hat:

Weil ich weiß, dass das irdische Leben nicht alles ist, was Gott mir zu bieten hat, kann ich Misserfolg, Not, Leid und Tod leichter annehmen. "Die Leiden dieser Zeit sind nichts im Vergleich zur zukünftigen Herrlichkeit."

Weil ich das weiß, brauch ich auch nicht zu versuchen, möglichst viel aus dem irdischen Leben herauszuschinden, damit ich ja nur nichts versäume.

Und schließlich habe ich Hoffnung nicht nur für mich selbst, sondern für alle unsre Lieben, die jetzt nicht mehr unter uns sind. Sie sind nicht verloren, sondern uns nur ein Stück vorausgegangen.

Ich hoffe für sie und mich selbst, nicht dass wir uns im Jenseits wiedersehen, sondern dass wir "beim Herrn sein werden allezeit." Dass ich dahin komme, ist mein größter Wunsch, danach möchte ich mein Leben ausrichten.

Mit freundlichen Grüßen

Heinrich Tischner

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