Andachten

Jahreslosung 2019

Suche Frieden und jage ihm nach! (Psalm 34,15)

Monatsspruch Januar: Gott spricht: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde. (1. Mose/Genesis 9,13)

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Herrnhuter Losungen sind Bibelsprüche für jeden Tag, Monat und Jahr, die uns durch diese Zeitabschnitte begleiten sollen. Sie werden aus einer Sammlung von Sprüchen "ausgelost". Es ist sicher keine Absicht, sondern Zufall, dass diese beiden Bibelverse am Anfang der Jahres stehen. Und doch ist die Grundidee dieses Systems, dass der Geist Gottes nicht nur die Gedanken der Schreiber, Übersetzer, Ausleger, Prediger und Hörer der heiligen Schrift lenkt, sondern auch diejenigen, die diese Verse auslosen. Daher ist es wohl auch kein Zufall, dass diese beiden Sprüche gut zusammenpassen.

Fragen wir zuerst danach: Was steht da?

Jahreslosung: "Suche Frieden",

natürlich erst mal im persönlichen Bereich. "Wenn du ein gutes Leben haben willst, tu Gutes und suche nicht Streit, sondern Frieden" mit deinen Mitmenschen. "Wenn man spinnt, fängt man im Kopf an" und wenn man Streit sucht, fängt man im Herzen an. Der Anlass spielt keine Rolle. Ein friedlicher Mensch erträgt viel, ein streitsüchtiger regt sich über jede Kleinigkeit auf, im Großen wie im Kleinen. Jesus lobt die Friedfertigen und nennt sie "Kinder Gottes" (Matthäus 5,9).

Monatsspruch: "Regenbogen"

Während ich das schreibe, steht am Westhimmel ein großer Regenbogen. Und im Fernsehen kam eine Sendung über Regenbogenfamilien gleichgeschlechtlicher Paare mit Kindern. Auch kein Zufall?

Der kunterbunte Regenbogen ist heute ein beliebtes Bild für Frieden und Vielfalt. Das kommt aus der Sintflutgeschichte: Gott hat einen Vernichtungsfeldzug gegen die verdorbene Menschheit geführt und nur seine einzigen Verbündeten am Leben gelassen: Noah und seine Familie. Jetzt hat er sein Schießgewehr an den Nagel bzw. in die Wolken gehängt und unterschreibt einen Friedensvertrag: Der Krieg ist aus, die Sintflut vorbei. Gott selbst hat große Verluste erlitten: den größten Teil seiner Schöpfung. Und hat dazugelernt: "Des Menschen Herz ist böse von Jugend an", die Sintflut konnte das Böse nicht aus der Welt schaffen. Der an den Nagel gehängte Flitzebogen ist das Zeichen des Friedens, hab ich gelernt. Nein! Er ist ein Zeichen "des Bundes zwischen Gott und der Erde", keine Waffe, sondern eine Brücke. Die "Himmelsleiter", Nahtstelle zwischen Himmel und Erde, die Jakob im Traum sah (1. Mose 28,10-17). Der Torbogen aus Licht über der Himmelspforte in allen Farben des Lichts.

Frieden ist nicht nur Friedfertigkeit und Streitlosigkeit, sondern auch "Bund", ein geregeltes Verhältnis aller Beteiligten. Nach dem 1. Weltkrieg gab es nicht nur einen Friedensvertrag, sondern auch den ersten Versuch, ein geregeltes Verhältnis zwischen den Völkern zu schaffen, den Völkerbund (heute Vereinte Nationen und Europäische Union). Der Völkerbund konnte aber den 2. Weltkrieg nicht verhindern. Ein Bund funktioniert nur, wenn sich alle an die Abmachung halten. Wenn jemand ausschert und schreit "Mein Land zuerst" oder "Ich bin der Größte", bricht er die Vereinbarungen und wird zum Verbrecher. Verbrecher werden von der Polizei gejagt, vor Gericht gestellt und bestraft. Ansätze gibt es schon auf internationaler Ebene. Aber die Völkergemeinschaft hat keine Macht, das Recht durchzusetzen. Wir brauchen nicht nur internationale Gerichtshöfe, sondern auch eine Weltpolizei. Sonst machen die Großen doch was sie wollen und die Kleinen machen's nach. Die einzige Möglichkeit, die wir haben: Sanktionen, ist nichts anderes als Lynchjustiz.

Das klingt jetzt sehr politisch, ist aber von Gott aus gedacht. Frieden ist keine Sache des Beliebens, sondern einer Ordnung, an die sich jeder Einzelne und jede Klein- und Großmacht halten muss. Sogar Gott hat das eingesehen. Der Gedanke des Gottesbundes zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel: Noah - Mose - Jesus: Friedensschluss - juristischer Vertrag - Versöhnung.

"Drum kann nicht Ruhe werden, bis deine Liebe siegt, bis dieser Kreis der Erden zu deinen Füßen liegt, bis du im neuen Leben die ausgesöhnte Welt dem, der sie dir gegeben, vors Angesicht gestellt." (Albert Knapp)

Mit freundlichen Grüßen

Heinrich Tischner

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